Nach Prognosen von ING Investment Management wird sich die weltweite Wachstumsbeschleunigung im nächsten Jahr fortsetzen, da die Konjunktur sowohl in den USA als auch Japan an Tempo zulegt…
– Bessere Ertragsdaten beflügeln Aktienmärkte
– Emerging Markets brauchen Strukturreformen und neues Wachstumsmodell, um Potenzial zu erreichen
Auf seiner am Dienstag, dem 19.11.2013 in London stattfindenden Annual Outlook Conference prognostizierte das Haus für die USA ein über dem Potenzial liegendes Wachstum. Grund sind eine weniger straffe Fiskalpolitik, die Erholung des Privatsektors und die lockere Geldpolitik. Gleichzeitig erwartet der Vermögensverwalter, dass Abenomics die japanische Wirtschaft wieder in Gang bringen wird. Gleichwohl könnte nach ING IMs Auffassung mehr getan werden, um die Investitionsausgaben zu steigern. Eine mögliche Verbrauchssteueranhebung wäre indessen eher ungünstig.
Was die Entwicklung in Europa betrifft, erwartet ING IM eine Wachstumsentwicklung, die in etwa dem Potenzial entspricht. Kalte Progression und schleppende Kredittätigkeit sollen dabei deutlich unter den während der Rezession von 2011/12 erlebten Niveaus liegen. Dennoch werden Ungleichgewichte ein über dem Potenzial liegendes Wachstum der Binnennachfrage verhindern; die EZB wird voraussichtlich ihre übermässig straffe Geldpolitik fortsetzen. Abwärtsrisiken bestehen auch an den Emerging Markets, aufgrund der Kreditschwemmen in der Vergangenheit – Strukturreformen sind dringend geboten.
Dazu Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Strategy, bei ING Investment Management: „Ab 2014 werden allmählich die Voraussetzungen für eine anhaltende Erholung vorliegen und die Ungleichgewichte insgesamt zurückgehen. Der Schuldenabbau in den USA ist bereits weit fortgeschritten, das Verhältnis zwischen Brutto-Einkommen und Schuldendienst liegt bei den Privathaushalten wieder auf dem Niveau von 2003. Gleichzeitig verbessert sich die Vermögenssituation kontinuierlich und die Kapitalquoten von US-Banken waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten niemals so hoch wie heute. Dem Schuldenabbau in Europa war nur durchwachsener Erfolg beschieden. An der Euro-Peripherie konnte indes die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden, wobei Frankreich und Italien jedoch hinterherhinken. Aufgrund der Ungleichgewichte an den Emerging Markets sind Strukturreformen und neue Wachstumsmodelle dringend geboten.“
„Insgesamt erwarten wir eine Fortsetzung der weltweiten Erholung, da wirtschaftspolitische Massnahmen die Extremrisiken gesenkt haben. Die Bedingungen sind für risikoreiche Assets günstig, obschon es hier zunehmende Divergenzen gibt. Wir setzen auf Aktien und europäische Titel. Bei Treasuries und Emerging-Markets-Werten bleiben wir vorsichtig.“
PROGNOSEN ZU ASSETKLASSEN
Anleihen
ING IM weist darauf hin, dass die Renditen mittlerweile ein Allzeittief erreicht haben, während die Spreads dem historischen Durchschnitt entsprechen. Eine steigende Tendenz besteht bei den Renditen auf Staatsanleihen. Vor dem Hintergrund makro- und mikroökonomischer Trends bleiben die Spreads attraktiv.
Der Vermögensverwalter hebt hervor, dass der makroökonomische Hintergrund weltweit günstig bleibt, wobei Europa und China in letzter Zeit aufgeholt haben. Hinzu kommt, dass die Fed-Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte 2013, vorerst doch noch nicht aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen, auf eine klare Wachstumsorientierung in ihrer Reaktionsfunktion hindeutet. Dies stützt den Erholungsprozess zusätzlich.
Aus diesen Gründen bleibt ING IM bei seiner wachstumsorientierten Positionierung von Anleihen und Credit-Spread-Produkten mit einer Untergewichtung von Treasuries und einer Übergewichtung von Spread-Produkten. Bei Letzteren hält ING IM eine wachstumsorientierte Position. Bei High Yield setzt ING IM auf deutliche Übergewichtung; Staatsanleihen von der EWU-Peripherie sind moderat übergewichtet.
Aktien
ING IM geht davon aus, dass die besseren Ertragsdaten in 2014 die Aktienmärkte beflügeln werden. Dabei dürften Japan und zyklische Werte das Feld in den nächsten zwölf Monaten anführen.
Dazu Patrick Moonen, Senior Equity Strategist bei ING IM: „Wir erwarten ein leichtes Umsatzwachstum. Dank der niedrigeren Inputkosten, vor allem beim Faktor Arbeit, dürften die Gewinnspannen steigen. Der Zins- und Abschreibungsaufwand bleibt niedrig. Aktienrückkäufe werden das EPS-Wachstum zusätzlich ankurbeln.“
„Seit über einem Jahr geht das Investitionswachstum weltweit zurück. Grund sind schleppendes Wirtschaftswachstum, das Horten von Barbeständen aufgrund ungewisser Perspektiven und strikte Kreditvergabebedingungen. Da sich jetzt aber Investitionsbereitschaft und das diesbezügliche Umfeld verbessern, zeichnet sich ein deutliches Potenzial für Wachstum, höhere Kapazitätsauslastung und – infolgedessen – Profitabilität ab.“
Im Hinblick auf die zentralen Investmentthemen weist ING IM darauf hin, dass Europa von einer wirtschaftlichen Wende und kräftigem Gewinnwachstum profitieren wird. Dabei wird die Euro-Peripherie die stärksten Impulse beisteuern.
Zusammen mit dem bisher höchsten Abschlag gegenüber US-Titeln, hohen Risikoaufschlägen auf Aktien und einem niedrigeren systemischen Risiko bedeutet dies ein überlegenes Risiko-Ertrags-Profil.
Japan wird nach den Worten des Vermögensverwalters kurzfristig eine Konsolidierungsphase durchlaufen, bei der die Bank von Japan sich abwartend verhält, der Yen aber vorherrschender Einflussfaktor bleibt. Dank solider Wirtschaftsdaten, hohen Gewinnwachstums und anhaltend lockerer Geldpolitik sind die längerfristigen Aussichten jedenfalls gut.
Das Haus bleibt bei seiner aktuellen Gewichtung zyklischer Sektoren. Grund sind die Erholung am Wohnimmobilien- und Arbeitsmarkt sowie der erwartete Anstieg der Investitionstätigkeit. Bei Sektoren mit stabilen Zuwachsraten hält ING IM an einer Untergewichtung fest, da sie nach wie vor zu populär und damit zu teuer sind.
Emerging Markets
Nach Auffassung von ING IM bedeuten niedrige Risikoprämien an den Emerging Markets, niedrige Realverzinsung und reale effektive Wechselkurse auf hohem Niveau, dass das Abwärtsrisiko bei allen EM-Werten hoch bleiben wird. Mit Blick auf die Zukunft prognostiziert der Vermögensverwalter, dass das Potenzial für eine Erholung der Schwellenländer begrenzt ist, sofern keine Strukturreformen umgesetzt werden. Auf längere Sicht ist insbesondere China gefährdet.
Maarten-Jan Bakkum, Emerging Markets Strategist bei ING IM, erklärte dazu: „Das Wachstum in den Schwellenländern steht deutlich unter Druck, trotz höherer Nachfrage von den entwickelten Märkten. Seit 2001 war die Wachstumslücke zwischen den beiden ,Regionen‘ nicht so gering, wie dies derzeit der Fall ist.“
„Was die weitere Entwicklung betrifft, bestehen im Wesentlichen zwei exogene Risiken: der Rückgang der Zuwachsrate in China auf voraussichtlich 5 Prozent bis 2016 und die Normalisierung der US-Geldpolitik, die zu einer Umkehr der bislang Richtung Emerging Markets verlaufenden Kapitalflüsse führen wird.
„Daneben haben wir auch vier endogene Probleme festgestellt: sich verschärfende Ungleichgewichte, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, schlechteres Investitionsklima, mangelnde strukturelle Fortschritte.“
Im Ergebnis hat ING IM übergewichtete Positionen in Titeln aus Korea, Taiwan und Mexiko aufgebaut. Die Makro-Ungleichgewichte halten sich an diesen Märkten in Grenzen, während sie zugleich äusserst wettbewerbsfähig sind. Insofern sind sie gut aufgestellt, um von einer Nachfrageerholung an den entwickelten Märkten zu profitieren. Der Vermögensverwalter hält zudem an der Übergewichtung von Griechenland fest, da der Markt weiter von den dramatischen volkswirtschaftlichen Anpassungen der vergangenen Jahre und dem aktuellen Wachstumsschub in der Eurozone profitiert.
In Indonesien, Südafrika und Brasilien ist ING IM dagegen untergewichtet. Alle drei Länder weisen erhebliche Makro-Ungleichgewichte auf, es mangelt an sinnvollen Reformen und ein Grossteil der inländischen Unternehmen befindet sich in ausländischem Eigentum. Auch die Bestände an Titeln aus Thailand und Malaysia sind untergewichtet, da sich hier das politische Risiko verstärkt hat und starke Kapitalzuflüsse das Kreditwachstum auf neueste Höchststände gepusht haben.
Quelle: ETFWorld – ING
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