1 FX-Tagesausblick

Mysteriöse Dollarshwäche

EUR USD (1,2515) Gestern markierte der Euro mit 2,5 Prozent (Basis Schlusskurs) den höchsten Tagesgewinn des Jahres. Allerdings dürften vielen Akteuren die Begründungen für diese Erholung recht schnell ausgegangen sein. Natürlich lief die spanische Bondauktion gut. Aber zu welchem Preis, könnte man wie schon bei ähnlichen

Versteigerungen zuvor einwenden. Andere wiederum bedienten sich des Arguments, die Investoren hätten mit einem Male Euroland als sicheren Hafen entdeckt. Sozusagen als Alternative zu den USA. Ach ja, wir hatten schlechte Daten aus den USA – Hausdaten, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, ISM. Aber waren schlechte US-Daten in den vergangenen Monaten nicht ein Grund für Risikoaversion und somit Dollarkäufe?
Viel eher vermuten wir, dass die massive Short-Squeeze letztlich auf Eurokäufe mittel- und langfristiger Quellen zurückzuführen ist, die aber nicht erst seit gestern, sondern während der vergangenen drei Wochen tätig gewesen sein dürften. Man denke etwa an die staatliche Investmentagentur Katars, der vor drei Tagen noch ein strategisches Interesse – letzteres wurde kurze Zeit später zwar dementiert – an einer griechischen Bank nachgesagt wurde. Vielleicht hat es ja anderweitiges Kaufinteresse ausländischer Investoren in Europa gegeben. Auf der anderen Seite standen kurzfristige Short-Positionen, die gestern über den Tag verteilt auch angesichts der für heute erwarteten US-Arbeitsmarkdaten und des amerikanischen Unabhängigkeitstages schon gestern eingedeckt wurden. Womit die Kraft weiterer Nachfrage aber bereits bei 1,2630 zum Erliegen kommen könnte. Ob der Euro zu mehr fähig ist, werden wir erst nach dem langen US-Wochenende erfahren.

USD JPY (87,90) Japanischen Exporteuren drückt der Schuh – und das nicht erst, seitdem der USD unter 90 Yen notiert. Entbehrlich, ja geradezu hilflos wirken daher „Hinweise“, wie die des stellvertretenden Finanzministers Motohisa Ikeda. Ein schwacher Yen, so Ikeda, sei „gut für Japan“, da ja „ein hohes Gewicht im Export liege“. Jetzt dürften es auch wirklich alle wissen. Wenn einer es aber aus erster Hand weiß, dann ist es Yoshihisa Morimoto, der seit gestern zum neunköpfigen Zentralbankrat hinzugestoßen ist. Er ist ein Mann der Praxis und kennt als Ex-Vorstandsmitglied eines großen japanischen Versorgers die Auswirkungen der Yen-Stärke ganz genau. Entsprechend klar hat er dies auch ausgedrückt und gleichzeitig das Inflationsziel der Notenbank als zu „eng“ beurteilt. Auffallend ist übrigens, dass der Devisenhandel derzeit gar nicht nach Interventionen der BOJ schreit, so wie das früher in solchen Situation regelmäßig der Fall war. Es könnte an den jüngsten Aufwertungsandeutungen aus China liegen, dass man derzeit gar nicht mit Interventionsbereitschaft rechnet. Wie befürchtet, ist der USD gestern unter sein Mai- Tief gerutscht.  Aber es drohen immer noch weitere Kursabschläge bis auf 86,10, dem aktuellen Abwärtsrisiko. Kurzfristige Stabilität ist frühestens jenseits von 89,50 zu erwarten.

EUR JPY (110,10)
Wir peilen heute unsere 106,10er Unterstützung sofort als Kursziel an. Das Risikolimit liegt recht eng bei 110,40. 

GBP USD (1,5175) Sterling war gestern eigentlich ein Underperformer, aber gegen den noch viel schwächeren USD hatte selbst das Pfund keine Mühe, sich durchzusetzen. Mit einer eindrucksvollen Bewegung startete es in Richtung auf unsere 1,5300/10er Widerstandszone durch, die immer noch das Aufwärtspotenzial darstellt. Da derzeit aber kaum jemand bearish auf das Pfund zu sein scheint, fehlt die treibende Kraft von Eindeckungskäufen, weshalb Sterling wohl auch in naher Zukunft ein Underperformer bleiben dürfte. Unterdessen behalten wir die Unterstützungszone bei 1,5040/50 im Auge, in der gestern ziemlich rege gehandelt wurde.

AUD USD (0,8480) Die gestrige Dollarschwäche hinterließ auch hier ihre Spuren, so dass AUD heute Morgen in neutralem Terrain rangieren. Kritische Punkte sind jetzt bei 0,8315 und bei 0,8595 angezeigt.

Quelle:  Deutsche Bank CMS: FX-Tagesausblick; Autor: Cognitrend  


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EUR USD (1,1955) Gestern zweifelten Devisenmarktakteure daran, ob der Beitritt Estlands in die Eurozone im kommenden Jahr gutes Timing sei. Aber das Land würde ohnehin die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen, hieß es. In der Währungsunion lassen sich die Probleme angeblich besser verarbeiten und zudem kann man noch in „den Genuss der Vorteile“ kommen, meint Estlands Finanzminister. Nun, hoffentlich ist er sich der neuen Spielregeln wirklich bewusst, die gerade in Brüssel aufgestellt werden. Denn: Strafen bei Verstößen der Mitgliedsländer sollen nun wesentlich früher und schärfer geahndet werden.
Außerdem sollen Eurostat-Inspekteure mit erweiterten Vollmachten ausgestattet und im Verdachtsfall umfangreiche Kontrollen durchgeführt werden. Eigentlich war diese Reglung schon vor sechs Jahren im Gespräch. Damals schien aber keiner daran zu glauben, dass so etwas jemals nötig sei. Oder einige Mitgliedsländer wollten sich schlicht nicht in die Karten schauen lassen. Der Widerstand war seinerzeit jedenfalls ziemlich heftig. Doch trotz strengerer Regeln und trotz eines erkennbaren Spar- und Kontrollwillens, hegen Investoren derzeit große Zweifel am Fortbestand der Eurozone. Eine Umfrage, die unter 1.001 Bloomberg-Nutzern durchgeführt wurde, ergab, dass lediglich 23 Prozent der Befragten an Letzteres glauben. Daran ändert auch der gespannte 750- Mrd.-Euro-Schutzschirm nichts. K ein Wunder, dass derzeit der Druck auf den Euro so hoch ist. Gestern aber brachte uns die Erholung auf 1,2010 eine bearishe Strategie mit Kursziel 1,1520. Das Risikolimit bleibt vorerst bei 1,2065.

USD JPY (91,50) Er gilt als Verfechter strikter Haushaltsdisziplin und hat aus seiner Vorliebe für einen schwächeren Yen nie einen Hehl gemacht: Japans frisch gebackener Ministerpräsident Naoto Kan. Diese Prinzipien einen ihn mit Yoshihiko Noda, den Kan gestern erwartungsgemäß zum Finanzminister seines neuen Kabinetts kürte. Viele unbekannte Gesichter sind darin übrigens nicht zu finden. Zu Stellvertretern Nodas wurden Motohisa Ikeda sowie Naoki Minezaki ernannt. Vor allem Letztgenannter scheint sich ebenfalls dem Niedrig-Yen-Dogma verschrieben zu haben.
In der Vergangenheit sparte er darum nicht mit Kritik an der BoJ, die seiner Ansicht nach ihre geldpolitischen Lockerungsbemühungen verstärken sollte. Nichtsdestotrotz mahnen Analysten, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Sachen schwächerer Yen, d.h. die Interventionsfantasie, sei schlichtweg übertrieben, solange sich die Welt im Krisenmodus befinde. Der Dollar pendelt weiter in einer breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65).

EUR JPY (109,35) Auch wenn der Yen von hohen japanischen Maschinenbauaufträgen heute Morgen ein wenig Rückenwind erhalten haben mag – die Kursbewegungen spielten sich in einer äußerst engen Spanne ab. Für den Euro besteht Abwärtsrisiko bis 107,10. Darunter findet sich erst bei 104,10 weitere Unterstützung. Widerstand zeigt sich bei 110,90/11,05 und darüber bei 112,95.

GBP USD (1,4435) Dass die Ratingagentur Fitch einen schnelleren Abbau des britischen Defizits fordert, hätte Investoren gestern eigentlich nicht zu beunruhigen brauchen. Spätestens seit dem Schicksal Spaniens sollte bekannt sein, dass AAA-Bewertungen nicht als selbstverständlich erachtet werden können. Überdies hatte die neue Regierung ja bereits angekündigt, den Gürtel spürbar enger schnallen zu wollen. Dennoch geriet das Pfund nach den Fitch-Kommentaren etwas unter Druck. Abwärtsbewegungen könnten sich bis 1,4310 (leicht tiefer adjustiert) und dann bis 1,4190 erstrecken. Solange Sterling unter 1,4560 handelt, bleibt unsere Einschätzung negativ.

AUD USD (0,8220) Die gestrige Erholung ändert nichts an unserem schwachen Ausblick: Das Risiko reicht weiterhin bis 0,8065. Wir würden diese Marke gar als Kursziel einer bearishen Strategie anpeilen, sollte sich der Austral-Dollar bis 0,8300 erholen. Das Risikolimit läge bei 0,8345.


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