1 Maerkte am Morgen

Chaos, Streit, Stresstest

Heute Abend ab 18 Uhr werden die Stresstests für 91 europäische Banken veröffentlicht, darunter 14 deutsche. Bis zuletzt hatten Banken und Aufsichtsbehörden um die letzten Details gerungen. Dabei ging es….

 nicht nur um die Frage, wie weitgehend die Institute ihre Zahlen auf den Tisch legen müssen, sondern auch um Änderungen an den Fragen und um den Veröffentlichungstermin. Zeitweise kursierten sogar Gerüchte um eine Veröffentlichung noch vor Börsenbeginn. Volkswirte rechnen kaum mit bösen Überraschungen. In Deutschland gilt nur die angeschlagene Hypo Real Estate als Wackelkandidat. Aber da deren Lage hinreichend bekannt ist, ist das Ergebnis bedeutungslos. Mit der Offenlegung der Daten soll das Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken gestärkt werden. Allerdings ist die Aussagekraft der Ergebnisse klar eingrenzt. Der Test ist kein Universaltest, der aussagt wie gut die Banken in allen möglichen Krisen bestehen können. Getestet wurde nur ein einziges, sich versch ärfendes Szenario: Erst bricht die Wirtschaft ein, dann rutschen auch noch die Staaten in eine Schuldenkrise. Als bestanden gilt der Test, wenn die Kernkapitalquote auch unter der härtesten getesteten Krisenstufe noch über 6 Prozent liegt. Die Kritik an den Tests
hielt bis zuletzt an.

Spanien dampft Staatsaufträge ein

Spanien tritt auf die Schuldenbremse und streicht, beziehungsweise kürzt ein Fünftel der Staatsaufträge. Das teilte Bauminister Jose Blanco mit. Sein Ressort muss bis zum nächsten Jahr 6,4 Mrd. EUR für öffentliche Aufträge einsparen. Betroffen sind vor allem geplante Autobahn- und Eisenbahnprojekte. .Wir wissen, dass dies gravierende Auswirkungen auf Baufirmen haben wird., sagte Blanco. Ökonomen befürchten, dass die Kürzungen die spanische Wirtschaft erneut in eine Rezession reißen könnten. Bauunternehmen wie Acciona, ACS oder FCC leben zu einem großen Teil von Staatsaufträgen.

Bankenverband optimistischer

Nach einem Wachstumsschub im Frühjahr sind die Aussichten für die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Privatbanken deutlich rosiger geworden. Der Bundesverband deutscher Banken korrigierte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,5 auf rund 2 Prozent nach oben. Allerdings deuteten Frühindikatoren auf ein bald schwächeres Wachstum hin, sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Weber. Befürchtungen, Deutschland oder die Weltwirtschaft könnten in die Rezession zurückfallen, seien aber überzogen.

Börner kritisiert Sparpaket

In die Liste der deutschen Sparpaket-Kritiker . zu denen auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle gehört . hat sich jetzt auch Außenhandelsverbandsprä- sident Anton Börner eingereiht. Er hält die Einwände für .berechtigt.. Bei den von der Regierung geplanten Sparmaßnahmen müssten auch die internationalen Zusammenh änge gesehen werden. Rechtlich beziehungsweise mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit seien die Maßnahmen .sicherlich problematisch., sagte Börner. Insgesamt seien die Pläne der Regierung allerdings sozial und wirtschaftlich vertretbar.

Neue Steuerdaten-CD aufgetaucht

Eine neue CD mit vertraulichen Kunden-Daten könnte weitere deutsche Steuerflüchtlinge in Bedrängnis bringen. Das Bundesfinanzministerium bestätigte, dass dem schleswig-holsteinischen Fiskus ein solcher Datenträger angeboten wurde. Die Entscheidung über einen Ankauf liege beim Bundesland, sei aber noch nicht gefallen. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, es gehe um Hunderte von Kundendaten und eine Anlagesumme von rund einer halben Mrd. EUR bei der Liechtensteinischen Landesbank (LBB).

Quelle:  Deutsche Bank CMS: FX-Tagesausblick; Autor: Cognitrend  


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EUR USD (1,1955) Gestern zweifelten Devisenmarktakteure daran, ob der Beitritt Estlands in die Eurozone im kommenden Jahr gutes Timing sei. Aber das Land würde ohnehin die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen, hieß es. In der Währungsunion lassen sich die Probleme angeblich besser verarbeiten und zudem kann man noch in „den Genuss der Vorteile“ kommen, meint Estlands Finanzminister. Nun, hoffentlich ist er sich der neuen Spielregeln wirklich bewusst, die gerade in Brüssel aufgestellt werden. Denn: Strafen bei Verstößen der Mitgliedsländer sollen nun wesentlich früher und schärfer geahndet werden.
Außerdem sollen Eurostat-Inspekteure mit erweiterten Vollmachten ausgestattet und im Verdachtsfall umfangreiche Kontrollen durchgeführt werden. Eigentlich war diese Reglung schon vor sechs Jahren im Gespräch. Damals schien aber keiner daran zu glauben, dass so etwas jemals nötig sei. Oder einige Mitgliedsländer wollten sich schlicht nicht in die Karten schauen lassen. Der Widerstand war seinerzeit jedenfalls ziemlich heftig. Doch trotz strengerer Regeln und trotz eines erkennbaren Spar- und Kontrollwillens, hegen Investoren derzeit große Zweifel am Fortbestand der Eurozone. Eine Umfrage, die unter 1.001 Bloomberg-Nutzern durchgeführt wurde, ergab, dass lediglich 23 Prozent der Befragten an Letzteres glauben. Daran ändert auch der gespannte 750- Mrd.-Euro-Schutzschirm nichts. K ein Wunder, dass derzeit der Druck auf den Euro so hoch ist. Gestern aber brachte uns die Erholung auf 1,2010 eine bearishe Strategie mit Kursziel 1,1520. Das Risikolimit bleibt vorerst bei 1,2065.

USD JPY (91,50) Er gilt als Verfechter strikter Haushaltsdisziplin und hat aus seiner Vorliebe für einen schwächeren Yen nie einen Hehl gemacht: Japans frisch gebackener Ministerpräsident Naoto Kan. Diese Prinzipien einen ihn mit Yoshihiko Noda, den Kan gestern erwartungsgemäß zum Finanzminister seines neuen Kabinetts kürte. Viele unbekannte Gesichter sind darin übrigens nicht zu finden. Zu Stellvertretern Nodas wurden Motohisa Ikeda sowie Naoki Minezaki ernannt. Vor allem Letztgenannter scheint sich ebenfalls dem Niedrig-Yen-Dogma verschrieben zu haben.
In der Vergangenheit sparte er darum nicht mit Kritik an der BoJ, die seiner Ansicht nach ihre geldpolitischen Lockerungsbemühungen verstärken sollte. Nichtsdestotrotz mahnen Analysten, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Sachen schwächerer Yen, d.h. die Interventionsfantasie, sei schlichtweg übertrieben, solange sich die Welt im Krisenmodus befinde. Der Dollar pendelt weiter in einer breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65).

EUR JPY (109,35) Auch wenn der Yen von hohen japanischen Maschinenbauaufträgen heute Morgen ein wenig Rückenwind erhalten haben mag – die Kursbewegungen spielten sich in einer äußerst engen Spanne ab. Für den Euro besteht Abwärtsrisiko bis 107,10. Darunter findet sich erst bei 104,10 weitere Unterstützung. Widerstand zeigt sich bei 110,90/11,05 und darüber bei 112,95.

GBP USD (1,4435) Dass die Ratingagentur Fitch einen schnelleren Abbau des britischen Defizits fordert, hätte Investoren gestern eigentlich nicht zu beunruhigen brauchen. Spätestens seit dem Schicksal Spaniens sollte bekannt sein, dass AAA-Bewertungen nicht als selbstverständlich erachtet werden können. Überdies hatte die neue Regierung ja bereits angekündigt, den Gürtel spürbar enger schnallen zu wollen. Dennoch geriet das Pfund nach den Fitch-Kommentaren etwas unter Druck. Abwärtsbewegungen könnten sich bis 1,4310 (leicht tiefer adjustiert) und dann bis 1,4190 erstrecken. Solange Sterling unter 1,4560 handelt, bleibt unsere Einschätzung negativ.

AUD USD (0,8220) Die gestrige Erholung ändert nichts an unserem schwachen Ausblick: Das Risiko reicht weiterhin bis 0,8065. Wir würden diese Marke gar als Kursziel einer bearishen Strategie anpeilen, sollte sich der Austral-Dollar bis 0,8300 erholen. Das Risikolimit läge bei 0,8345.


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