1 FX-Tagesausblick

Euroskeptiker sind willkommen

EUR USD (1,3055) Eigentlich hätte es auch gestern genügend Gründe gegeben, Dollar zu verkaufen. Allein schon wegen der Äußerungen des Chefs der Federal Reserve Bank St-Louis. James Bullard hatte nämlich ein Paper („Seven Faces of Peril“) publiziert, das sich am Titel gemessen viel dramatischer anhört als es tatsächlich ist. Sein Lösungsvorschlag, die Fed solle im Ernstfall …

eine weitere quantitative Lockerung durch den Kauf von US-Treasuries vornehmen, stieß jedoch sogleich vielerorts auf massiven Widerstand. Als dann auch noch Fed- Mitglied Fisher weiteren etwaigen geldpolitischen Lockerungsabsichten ungehend eine Absage erteilte, hatte man nicht gerade den Eindruck, in der Zentralbank herrsche derzeit Einigkeit über die weitere Vorgehensweise im Falle der Fälle.
Trotzdem hielten sich die Akteure angesichts der relativ weit gediehenen Euro-Erholung bei gleichzeitig sinkender Volatilität mit Käufen zurück. Und so kann es kaum verwundern, wenn sich die Händler lieber auf ungünstige Nachrichten für den Euro konzentrieren. Etwa die Euroverkäufe der Schweizerischen Nationalbank, in die manch einer womöglich mehr interpretieren möchte als die am meisten wahrscheinliche Begründung: Umschichtungen der während der Interventionszeit in diesem Jahr gegen Schweizer Franken erworbenen Euro-Währungsreserven. Unterdessen haben sich die Widerstände an der Oberseite etwas gelichtet, so dass im Vergleich zu gestern fast uneingeschränktes Potenzial bis 1,3240 besteht – unter der Prämisse, dass die 1,2910er Marke nicht fällt. Auch unterhalb dieser Marke gäbe es jedoch gute Nachfrage.

USD JPY (86,40) Mit der Warnung vor einer Japan-ähnlichen Deflation in den USA, legt Fed-Mitglied Bullard den Finger in eine offene Wunde. Die Notwendigkeit für weitere Fed-Maß- nahmen wird mit jedem schlechten  Konjunkturdatum größer. Gestern warnte ein Moody.s- Analyst gar, die USA müssten einen glaubhaften Plan vorlegen, wie man den Schuldenberg bezwingen wolle, um das AAA-Rating aufrechtzuhalten. Auch wenn die Lage Japans gleichfalls nicht berauschend aussieht (miese Industrieproduktion; Verbraucherpreiszahlen deuten auf Deflation) erscheint der Yen vielen derzeit als ein sicherer Hafen als der Dollar. Um seine Sorgen über den Greenback auszudrücken war der Verkauf vs. Yen in den letzten Handelstagen noch eine einfache Sache . nun nicht mehr, denn der
Dollar ist wieder bei seinen jüngsten Tiefs angekommen. Und da verkauft niemand gern. Nach dem Ausbruch aus der Konsolidierungszone läuft er nun Gefahr, bis 84,80 und tiefer zu fallen. Stabil wäre er erst oberhalb von 87,50.

EUR JPY (112,80) Das Risiko reicht nun bis 110,60. Der Abgabedruck, der durch den false break entstanden ist, wäre erst oberhalb von 114,40 wieder passé.

GBP USD (1,5605) Auch gestern markierte das Pfund ein neues marginal höheres Hoch . genug, um unser Kursziel zu erreichen und die Händler erneut zu irritieren. Eigentlich hatten sie die jüngste Anhörung von BoE-Chef King als ziemlich pfund-negativ wahrgenommen. Doch nun, in Anbetracht der Sterling-Stärke, interpretierten sie seine Rede neu. und suchten nach bullishen Argumenten. King, hieß es etwa, hatte einstmals immer betont, dass das kürzlich noch schwache Pfund ein Wachstumstreiber sei. Aus diesem Meinungsumschwung schließen wir, dass viele Bären bereits aus ihren Positionen herausgedrängt wurden. Da Bären gewöhnlich die verlässlichsten Dip-Käufer sind, heißt das nichts Gutes für die Unterstützungslage. Verlässliche Nachfrage erwarten wir erst bei 1,5420/70. Am oberen Rand der Zone würden wir eine neue bullishe Strategie eröffnen (Risikolimit am unteren Ende). Widerstand liegt bei 1,5675/95.

AUD USD (0,8985) AUD präsentieren sich nach Überschreiten von 0,9030 stabil mit Aufwärtspotenzial bis 0,9275 (solange 0,8900 gehalten wird). Die Hauptunterstützung liegt mit 0,8820 allerdings deutlich tiefer.

Quelle:  Deutsche Bank CMS: FX-Tagesausblick; Autor: Cognitrend  


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EUR USD (1,1955) Gestern zweifelten Devisenmarktakteure daran, ob der Beitritt Estlands in die Eurozone im kommenden Jahr gutes Timing sei. Aber das Land würde ohnehin die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen, hieß es. In der Währungsunion lassen sich die Probleme angeblich besser verarbeiten und zudem kann man noch in „den Genuss der Vorteile“ kommen, meint Estlands Finanzminister. Nun, hoffentlich ist er sich der neuen Spielregeln wirklich bewusst, die gerade in Brüssel aufgestellt werden. Denn: Strafen bei Verstößen der Mitgliedsländer sollen nun wesentlich früher und schärfer geahndet werden.
Außerdem sollen Eurostat-Inspekteure mit erweiterten Vollmachten ausgestattet und im Verdachtsfall umfangreiche Kontrollen durchgeführt werden. Eigentlich war diese Reglung schon vor sechs Jahren im Gespräch. Damals schien aber keiner daran zu glauben, dass so etwas jemals nötig sei. Oder einige Mitgliedsländer wollten sich schlicht nicht in die Karten schauen lassen. Der Widerstand war seinerzeit jedenfalls ziemlich heftig. Doch trotz strengerer Regeln und trotz eines erkennbaren Spar- und Kontrollwillens, hegen Investoren derzeit große Zweifel am Fortbestand der Eurozone. Eine Umfrage, die unter 1.001 Bloomberg-Nutzern durchgeführt wurde, ergab, dass lediglich 23 Prozent der Befragten an Letzteres glauben. Daran ändert auch der gespannte 750- Mrd.-Euro-Schutzschirm nichts. K ein Wunder, dass derzeit der Druck auf den Euro so hoch ist. Gestern aber brachte uns die Erholung auf 1,2010 eine bearishe Strategie mit Kursziel 1,1520. Das Risikolimit bleibt vorerst bei 1,2065.

USD JPY (91,50) Er gilt als Verfechter strikter Haushaltsdisziplin und hat aus seiner Vorliebe für einen schwächeren Yen nie einen Hehl gemacht: Japans frisch gebackener Ministerpräsident Naoto Kan. Diese Prinzipien einen ihn mit Yoshihiko Noda, den Kan gestern erwartungsgemäß zum Finanzminister seines neuen Kabinetts kürte. Viele unbekannte Gesichter sind darin übrigens nicht zu finden. Zu Stellvertretern Nodas wurden Motohisa Ikeda sowie Naoki Minezaki ernannt. Vor allem Letztgenannter scheint sich ebenfalls dem Niedrig-Yen-Dogma verschrieben zu haben.
In der Vergangenheit sparte er darum nicht mit Kritik an der BoJ, die seiner Ansicht nach ihre geldpolitischen Lockerungsbemühungen verstärken sollte. Nichtsdestotrotz mahnen Analysten, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Sachen schwächerer Yen, d.h. die Interventionsfantasie, sei schlichtweg übertrieben, solange sich die Welt im Krisenmodus befinde. Der Dollar pendelt weiter in einer breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65).

EUR JPY (109,35) Auch wenn der Yen von hohen japanischen Maschinenbauaufträgen heute Morgen ein wenig Rückenwind erhalten haben mag – die Kursbewegungen spielten sich in einer äußerst engen Spanne ab. Für den Euro besteht Abwärtsrisiko bis 107,10. Darunter findet sich erst bei 104,10 weitere Unterstützung. Widerstand zeigt sich bei 110,90/11,05 und darüber bei 112,95.

GBP USD (1,4435) Dass die Ratingagentur Fitch einen schnelleren Abbau des britischen Defizits fordert, hätte Investoren gestern eigentlich nicht zu beunruhigen brauchen. Spätestens seit dem Schicksal Spaniens sollte bekannt sein, dass AAA-Bewertungen nicht als selbstverständlich erachtet werden können. Überdies hatte die neue Regierung ja bereits angekündigt, den Gürtel spürbar enger schnallen zu wollen. Dennoch geriet das Pfund nach den Fitch-Kommentaren etwas unter Druck. Abwärtsbewegungen könnten sich bis 1,4310 (leicht tiefer adjustiert) und dann bis 1,4190 erstrecken. Solange Sterling unter 1,4560 handelt, bleibt unsere Einschätzung negativ.

AUD USD (0,8220) Die gestrige Erholung ändert nichts an unserem schwachen Ausblick: Das Risiko reicht weiterhin bis 0,8065. Wir würden diese Marke gar als Kursziel einer bearishen Strategie anpeilen, sollte sich der Austral-Dollar bis 0,8300 erholen. Das Risikolimit läge bei 0,8345.


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