EUR USD (1,2315) Die hitzigen Diskussionen vor dem G20-Treffen, ob nun Sparen oder Konsumieren der bessere Weg zur Stabilisierung des Wachstums sei, gehen munter weiter. Gestern meldete sich nun EZB-Präsident Trichet in einem Interview (La Repubblica) zu Wort und verteidigte …
den europäischen Standpunkt am Beispiel Deutschlands. Die Rückführung der Haushaltsdefizite sei eine wesentliche Voraussetzung, das Vertrauen der Menschen und Unternehmen wieder herzustellen. Und Vertrauen wiederum sei eine Bedingung, um Wachstum zu schaffen. Mit anderen Worten: Sparen stellt Wachstum nicht in Frage, sondern fördert es. Allerdings hat Trichets Argumentarium einen kleinen Haken. Denn das von ihm beschworene Vertrauen entsteht nur langsam. Also nicht bereits mit Bekanntgabe etwaiger Sparpläne, sondern erst nachdem die Menschen die Ernsthaftigkeit derselben – womöglich am eigenen Leib – erfahren und sich an sie gewöhnt haben. Damit steht den Europäern ein langer, möglicherweise sehr mühsamer Leidensweg bevor. Hätte sich Trichet eigentlich anders geäußert, wenn er als Amerikaner zur Welt gekommen und in den USA aufgewachsen wäre?
Wir können es nur vermuten. Denn dort herrscht ein anderes Wertesystem. In Deutschland wird Sparen meist als eine Tugend betrachtet, dagegen hat man in den USA aus Erfahrung erlernt, dass der private Konsum eine Voraussetzung für Wachstum und Arbeitsplätze ist. Während also in Toronto Wertewelten aufeinanderprallen, bleibt der Euro neutral mit leichter Tendenz zur Schwäche – solange 1,2395 nicht überwunden wird.
USD JPY (89,45) Japanische Staatsanleihen sind derzeit begehrt. Die Renditen zehnjähriger Papiere rutschten gestern auf ein Siebenjahrestief. Genauso wie beim festen Yen vermuten Marktbeobachter, dass technisch bedingte Käufe zum
Quartalsende sowie die Flucht in sichere Anlagen für den positiven Verlauf verantwortlich sind. Aber sind 1,14 Prozent Rendite bei zehnjährigen Papieren eines Staates, dessen Schulden das Zweifache des BIP betragen, wirklich ein Sicherheitspuffer?
Nach ausgedehntem Wirtschaftswachstum sieht es derzeit ohnehin nicht aus: Die Rohölimporte sanken, nach ersten Schätzungen des Finanzministeriums, im April auf das tiefste Niveau seit 1991. Auf Sinkflug befindet sich derzeit auch
der US-Dollar, der aus seiner breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65) zu fallen droht. Dies wiederum würde ein weiteres Abrutschen auf das Mai-Tief (87,95) auslösen.
EUR JPY (110,15) Knapp unter der 110er Marke scheint der Euro etwas Nachfrage zu generieren. Allerdings spielt sich alles nach wie vor in der Mitte der breiten Seitwärtsspanne (108,10 – 114,40) ab, die nochmals durch Angebot bei 111,90 und Nachfrage bei 109,15 verengt wird.
GBP USD (1,4950) Sparprogramme und angedeutete Zinserhöhungen vertrugen Sterling- Händler diese Woche gut. In normalen Zeiten wäre dies auch nichts Besonderes. Aber vor dem Hintergrund schwachen Wachstums ist es nur schwer
vorstellbar, dass man den Vorteil einer Pfundabwertung aufgeben möchte, selbst wenn dies bislang nicht das Allheilmittel für den Export zu sein scheint. Die Währungsentwicklung überrascht gleich in zweifacher Hinsicht, denn die Akteure halten die offiziellen Wachstumszahlen für viel zu optimistisch – selbst die nach unten revidierten.
Wir stehen der Pfundrallye somit weiter skeptisch gegenüber und erwarten guten Widerstand bei 1,5045/85. Nachfrage liegt bei 1,4850 und 1,4760.
AUD USD (0,8615) Der A-$ zieht sich weiter zurück und trifft heute bei 0,8580 nur auf schwache Unterstützung. Im großen Bild könnten die Kurse sogar bis zur kritischen 0,8315er Marke rutschen. Widerstand erwarten wir bei 0,8740 und 0,8840.
Quelle: Deutsche Bank CMS: FX-Tagesausblick; Autor: Cognitrend
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USD JPY (91,50) Er gilt als Verfechter strikter Haushaltsdisziplin und hat aus seiner Vorliebe für einen schwächeren Yen nie einen Hehl gemacht: Japans frisch gebackener Ministerpräsident Naoto Kan. Diese Prinzipien einen ihn mit Yoshihiko Noda, den Kan gestern erwartungsgemäß zum Finanzminister seines neuen Kabinetts kürte. Viele unbekannte Gesichter sind darin übrigens nicht zu finden. Zu Stellvertretern Nodas wurden Motohisa Ikeda sowie Naoki Minezaki ernannt. Vor allem Letztgenannter scheint sich ebenfalls dem Niedrig-Yen-Dogma verschrieben zu haben.
In der Vergangenheit sparte er darum nicht mit Kritik an der BoJ, die seiner Ansicht nach ihre geldpolitischen Lockerungsbemühungen verstärken sollte. Nichtsdestotrotz mahnen Analysten, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Sachen schwächerer Yen, d.h. die Interventionsfantasie, sei schlichtweg übertrieben, solange sich die Welt im Krisenmodus befinde. Der Dollar pendelt weiter in einer breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65).
EUR JPY (109,35) Auch wenn der Yen von hohen japanischen Maschinenbauaufträgen heute Morgen ein wenig Rückenwind erhalten haben mag – die Kursbewegungen spielten sich in einer äußerst engen Spanne ab. Für den Euro besteht Abwärtsrisiko bis 107,10. Darunter findet sich erst bei 104,10 weitere Unterstützung. Widerstand zeigt sich bei 110,90/11,05 und darüber bei 112,95.
GBP USD (1,4435) Dass die Ratingagentur Fitch einen schnelleren Abbau des britischen Defizits fordert, hätte Investoren gestern eigentlich nicht zu beunruhigen brauchen. Spätestens seit dem Schicksal Spaniens sollte bekannt sein, dass AAA-Bewertungen nicht als selbstverständlich erachtet werden können. Überdies hatte die neue Regierung ja bereits angekündigt, den Gürtel spürbar enger schnallen zu wollen. Dennoch geriet das Pfund nach den Fitch-Kommentaren etwas unter Druck. Abwärtsbewegungen könnten sich bis 1,4310 (leicht tiefer adjustiert) und dann bis 1,4190 erstrecken. Solange Sterling unter 1,4560 handelt, bleibt unsere Einschätzung negativ.
AUD USD (0,8220) Die gestrige Erholung ändert nichts an unserem schwachen Ausblick: Das Risiko reicht weiterhin bis 0,8065. Wir würden diese Marke gar als Kursziel einer bearishen Strategie anpeilen, sollte sich der Austral-Dollar bis 0,8300 erholen. Das Risikolimit läge bei 0,8345.
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