1 FX-Tagesausblick

Wenn sich jeder nach dem anderen richtet

EUR USD (1,2320) Wenn 92 Prozent der Entscheider Deutschlands von der derzeitigen Regierung laut einer Allensbach-Studie enttäuscht sind, ist es nicht verwunderlich, wenn die Diskussionen um Veränderungen nicht verstummen wollen. Zumal mehr als drei Viertel der Befragten die…

 

Koalition für zu schwach halten, die anstehenden Probleme zu meistern. Unlängst wurde daher von einigen Kommentatoren (etwa in Spiegel online) die ganze Bandbreite aller Möglichkeiten eines Regierungswechsels vorexerziert. Da machten Begriffe wie Vertrauensfrage, konstruktives Misstrauensvotum, Rücktritt und Neuwahlen die Runde. Wenn unter allen Optionen sogar auf eine Wiederholung des fußballerischen Sommermärchens aus dem Jahre 2006 als positiven Stimulus für die Stimmung hierzulande gesetzt wird, zeigt dies eigentlich nur, dass viele Kritiker der Regierung keine Alternative parat haben. Denn die derzeitige Lage macht deutlich, dass – obwohl man in Deutschland eigentlich über mehr Handlungsalternativen als anderswo in Europa verfügt – Entscheidungen nur unter großem Druck getroffen werden. Vermutlich, weil die Ungewissheit über den Erfolg einer gewählten ökonomischen Strategie selten so hoch war wie zurzeit. Und so wundert es aus psychologischer Sicht nicht, wenn man sich in erster Linie an dem orientiert, was andere tun. Damit geht die eigentliche Gefahr der europäischen Krise von einer möglichen Kettenreaktion suboptimaler Entscheidungen aus. Nicht zuletzt deswegen verfolgen wir für den Euro bei Erreichen von 1,2420 eine bearishe Strategie mit Risikolimit 1,2490.

USD JPY (91,45) Die Handelsaktivitäten der Yen-Händler waren heute Morgen mehr als dürftig, was wahrscheinlich auch am Feiertag in China und Hongkong gelegen haben dürfte. Dies geht erneut zulasten der Volatilitätskurve, die sich  bereits seit einigen Tagen auf dem absteigenden Ast befindet. Die Trading-Range der laufenden Woche ist bislang nicht einmal dreistellig. Dies ist garantiert nicht die Entwicklung, die sich die Mehrheit der kurzfristig agierenden Akteure vorgestellt hatte. Besonders gestern, als die BoJ tagte. Alles, was man aus dieser Ecke zu hören bekam, war, dass man die Signale aus Europa ernst nehme und Haushaltsdisziplin nun oberste Priorität habe. Im Prinzip könnte sich Notenbankchef Shirakawa also bei Europa, allen voran bei Griechenland, bedanken. Denn von dort kam der Weckruf, der verhinderte, dass die Japaner ihre Schuldenkrise verschlafen. Unterdessen verharrt der USD weiterhin in der Mitte seiner breiten Konsolidierungszone (89,10 – 93,65), die noch einmal von Angebot bei 92,65 und Nachfrage bei 90,35 verengt wird.

EUR JPY (112,70) Der Euro steuert erneut auf die Oberkante seiner Konsolidierung (108,10 – 114,40) zu. Bei 113,30 versuchen wir eine Short- Strategie mit einem Risikolimit von 60 Stellen und einem Kursziel bei 110,60.

GBP USD (1,4805) Gestern konnte der Markt erst einmal durchatmen, denn die britischen Mai- Inflationsdaten fielen niedriger als erwartet aus. Aber wie soll man die angekündigten Haushaltskürzungen der neuen Regierung betrachten, wenn die private Nachfrage am Boden liegt? Mit Sorge, sofern man durch die Brille von Ex-Notenbankmitglied David Blanchflower schaut. Ohne Konsum, kein Wachstum, so seine kurze Analyse. Aber bei der Defizitreduzierung geht es ja auch nicht um kurzfristiges Wachstum, sondern um den Erhalt der finanzpolitischen Entscheidungsfähigkeit. Dies setzt aber voraus, dass die Verschuldung nicht ausartet. Unser Erholungspotenzial wurde erfüllt, weswegen wir sofort auf bearish umschwenken. Risikolimit: 1,4875.

AUD USD (0,8640) Das Potenzial reicht nach wie vor bis 0,8780. Zuvor tut sich indes noch ein Widerstand bei 0,8670 auf, während wir mit erster Nachfrage bei 0,8505 rechnen. Die 0,8370/80er Unterstützung schützt den günstigen Ausblick.

Quelle:  Deutsche Bank CMS: FX-Tagesausblick; Autor: Cognitrend  


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EUR USD (1,1955) Gestern zweifelten Devisenmarktakteure daran, ob der Beitritt Estlands in die Eurozone im kommenden Jahr gutes Timing sei. Aber das Land würde ohnehin die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen, hieß es. In der Währungsunion lassen sich die Probleme angeblich besser verarbeiten und zudem kann man noch in „den Genuss der Vorteile“ kommen, meint Estlands Finanzminister. Nun, hoffentlich ist er sich der neuen Spielregeln wirklich bewusst, die gerade in Brüssel aufgestellt werden. Denn: Strafen bei Verstößen der Mitgliedsländer sollen nun wesentlich früher und schärfer geahndet werden.
Außerdem sollen Eurostat-Inspekteure mit erweiterten Vollmachten ausgestattet und im Verdachtsfall umfangreiche Kontrollen durchgeführt werden. Eigentlich war diese Reglung schon vor sechs Jahren im Gespräch. Damals schien aber keiner daran zu glauben, dass so etwas jemals nötig sei. Oder einige Mitgliedsländer wollten sich schlicht nicht in die Karten schauen lassen. Der Widerstand war seinerzeit jedenfalls ziemlich heftig. Doch trotz strengerer Regeln und trotz eines erkennbaren Spar- und Kontrollwillens, hegen Investoren derzeit große Zweifel am Fortbestand der Eurozone. Eine Umfrage, die unter 1.001 Bloomberg-Nutzern durchgeführt wurde, ergab, dass lediglich 23 Prozent der Befragten an Letzteres glauben. Daran ändert auch der gespannte 750- Mrd.-Euro-Schutzschirm nichts. K ein Wunder, dass derzeit der Druck auf den Euro so hoch ist. Gestern aber brachte uns die Erholung auf 1,2010 eine bearishe Strategie mit Kursziel 1,1520. Das Risikolimit bleibt vorerst bei 1,2065.

USD JPY (91,50) Er gilt als Verfechter strikter Haushaltsdisziplin und hat aus seiner Vorliebe für einen schwächeren Yen nie einen Hehl gemacht: Japans frisch gebackener Ministerpräsident Naoto Kan. Diese Prinzipien einen ihn mit Yoshihiko Noda, den Kan gestern erwartungsgemäß zum Finanzminister seines neuen Kabinetts kürte. Viele unbekannte Gesichter sind darin übrigens nicht zu finden. Zu Stellvertretern Nodas wurden Motohisa Ikeda sowie Naoki Minezaki ernannt. Vor allem Letztgenannter scheint sich ebenfalls dem Niedrig-Yen-Dogma verschrieben zu haben.
In der Vergangenheit sparte er darum nicht mit Kritik an der BoJ, die seiner Ansicht nach ihre geldpolitischen Lockerungsbemühungen verstärken sollte. Nichtsdestotrotz mahnen Analysten, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Sachen schwächerer Yen, d.h. die Interventionsfantasie, sei schlichtweg übertrieben, solange sich die Welt im Krisenmodus befinde. Der Dollar pendelt weiter in einer breiten Konsolidierung (89,10 – 93,65).

EUR JPY (109,35) Auch wenn der Yen von hohen japanischen Maschinenbauaufträgen heute Morgen ein wenig Rückenwind erhalten haben mag – die Kursbewegungen spielten sich in einer äußerst engen Spanne ab. Für den Euro besteht Abwärtsrisiko bis 107,10. Darunter findet sich erst bei 104,10 weitere Unterstützung. Widerstand zeigt sich bei 110,90/11,05 und darüber bei 112,95.

GBP USD (1,4435) Dass die Ratingagentur Fitch einen schnelleren Abbau des britischen Defizits fordert, hätte Investoren gestern eigentlich nicht zu beunruhigen brauchen. Spätestens seit dem Schicksal Spaniens sollte bekannt sein, dass AAA-Bewertungen nicht als selbstverständlich erachtet werden können. Überdies hatte die neue Regierung ja bereits angekündigt, den Gürtel spürbar enger schnallen zu wollen. Dennoch geriet das Pfund nach den Fitch-Kommentaren etwas unter Druck. Abwärtsbewegungen könnten sich bis 1,4310 (leicht tiefer adjustiert) und dann bis 1,4190 erstrecken. Solange Sterling unter 1,4560 handelt, bleibt unsere Einschätzung negativ.

AUD USD (0,8220) Die gestrige Erholung ändert nichts an unserem schwachen Ausblick: Das Risiko reicht weiterhin bis 0,8065. Wir würden diese Marke gar als Kursziel einer bearishen Strategie anpeilen, sollte sich der Austral-Dollar bis 0,8300 erholen. Das Risikolimit läge bei 0,8345.


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